Wenn sich der Spätsommer ankündigt, wird es keineswegs ruhiger – im Gegenteil: Im Garten der Fermate gibt es momentan alle Hände voll zu tun! Viele kennen die Fermate als besonderen Ort der Kultur, in deren Scheune regelmäßig stimmungsvolle Veranstaltungen stattfinden. Doch die Fermate ist weit mehr: Gemeint ist der gesamte Hof mit seinem weitläufigen Außenbereich, dem vielfältigen Nutzgarten, den Hühnern, Kaninchen sowie gemütlichen Ecken zum Verweilen, geselligem Beisammensein am Grillplatz oder dem traditionellen Steinbackofen. Zwischen reich gefüllten Erntezeilen, neuen Herbstaussaaten und den ersten Vorbereitungen für das kommende Frühjahr erleben wir hier derzeit die pure Vielfalt des Land- und Gärtnerlebens.
Ein Paradies im Aufbau
In den vergangenen drei Jahren haben wir den Garten Schritt für Schritt aufgebaut und verschiedenes neu angepflanzt. In diesem Frühjahr kam schließlich unser lang ersehntes Gewächshaus hinzu – und die Mühe hat sich mehr als gelohnt: Es war ein schlichtweg fantastisches Tomatenjahr! Noch immer ernten wir täglich wunderbar aromatische Cocktailtomaten. Ob morgens frisch zum Frühstück auf knusprigem Baguette mit Frischkäse oder später im bunten Salat mit Gurken, Paprika, knackigen Karotten und Käsewürfeln – mal klassisch mit Balsamicodressing verfeinert, mal cremig mit griechischem Joghurt: Frischer, ungespritzter und köstlicher direkt vom Beet auf den Tisch geht es kaum.
Vervollständigt wird der frische Geschmack durch unsere selbstgezogenen Kräuter. Zur Vermehrung unserer gezogenen Basilikumsorten – Zimt-, Zitronen- und roter Basilikum – haben wir von diesen Ableger im Wasserglas bewurzeln lassen. Nun wachsen sie prächtig im kleinen silbernen Hochbeet und in Töpfen auf der Haustreppe. Eine selbstgemachte Pizza mit diesen frischen Blättern – was will man mehr?
Überraschungen bei den Gurken: Die Natur findet ihren Weg
Nicht jede Pflanze verhält sich so, wie man es plant. Die Gurken im Gewächshaus schienen sich anfangs gar nicht wohlzufühlen. Der Ertrag war mehr als mager. Wir waren schon kurz davor, die Pflanzen komplett zu entfernen, als wir ganz oben an den Triebspitzen plötzlich frisches, kräftiges Dunkelgrün entdeckte. Also beschlossen wir abzuwarten – und tatsächlich: Es entwickelten sich doch noch einige schöne Gurken, die wir ernten durften!
Noch größer war die Freude bei einer Nachsaat im Freiland: Nachdem die ersten Pflanzen den Schnecken zum Opfer gefallen waren, setzten wir spät noch Nachzügler ins Hochbeet – eigentlich mit dem Gedanken, dass die Saison längst vorbei sei und sich wohl kaum noch Früchte bilden würden. Doch weit gefehlt: Kürzlich haben sie tatsächlich begonnen, prächtige Gurken auszubilden!
Genau das zeigt wieder einmal: Die Natur geht oft ganz andere Wege, als wir vermuten. Beim Gärtnern braucht es vor allem Geduld, die Freude an kleinen Erfolgen und die Gelassenheit, Rückschläge einfach anzunehmen. Das Tun selbst ist eine Bereicherung für Körper und Seele – getreu dem Motto: Was geht, das geht, und was nicht geht, ist auch vollkommen in Ordnung.
Zwischen Schneckenärger und Ufo-Kürbissen
Auch bei den Kürbissen war Durchhaltevermögen gefragt: Ein Teil fiel den Schnecken zum Opfer; die nachgesäten Pflanzen blühen zwar jetzt wunderschön, doch ob die Früchte bis zum Frost ausreifen, bleibt fraglich. Aber jedes Grün wandert später auf den Kompost und wird wertvolle Nahrung für den Boden und die Folgekulturen.
Zudem laufen bereits die Vorbereitungen für das neue Kürbisbeet im kommenden Jahr: Frisch ausgebrachter Stallmist reichert die Erde jetzt optimal mit Nährstoffen an, damit die Starkzehrer in der nächsten Saison beste Bedingungen vorfinden.

Ein voller Erfolg war hingegen der Patisson-Kürbis: Verschont von Schädlingen, trug diese eine Pflanze enorm viele Früchte. Mit ihrer weißen, an Ufos erinnernden Form ist sie nicht nur dekorativ, sondern lässt sich in der Küche genauso unkompliziert zubereiten wie ein Hokkaido. Wir konnten reichlich ernten, genießen und Früchte an Freunde und Nachbarn verschenken.
Bäume, Sträucher und kleine Kostbarkeiten
Auf der Mauer sonnen sich derzeit noch die Aloe-Vera-Töpfe, bevor sie bald ins warme Haus umziehen. Bei unseren Bäumen zeigt sich die Natur von ganz unterschiedlichen Seiten:
- Unser junges Walnussbäumchen hat offenbar seinen Wohlfühlplatz gefunden – trug es im letzten Jahr stolze 7 Nüsse, dürfen wir uns heuer über noch mehr freuen.
- Die Haselnusssträucher werfen ihre Nüsse leider dieses Jahr etwas voreilig und unreif ab.
- Der kleine Topaz-Apfelbaum, den wir aus unserer früheren Heimat mitgebracht haben, hatte unter der Sommerhitze zu leiden; seine Äpfel sind heuer recht klein geblieben.
- Eine rührende Überraschung bot ein uralter Zwetschgenbaum am Rand des Grundstücks: Fast vergessen, von Efeu und Gestrüpp überwuchert und eher kaputt als heile, haben wir ihn im letzten Jahr freigeschnitten. Und siehe da – das Bäumchen kämpft und schenkt uns eine Handvoll köstlicher Früchte! Aus diesen gibt es am Wochenende echte Zwetschgenknödel à la Oma: Gemeinsam mit meinen Schwestern zubereitet, mit Zimt-Zucker-Bröseln serviert und vorweg eine selbstgemachte Suppe – ein wunderbares Familienfest.
Ausblick: Grünspargel, Winterbeete und achtsame Aussaaten
Spannend bleibt es auch beim Grünspargel: Er steht nun im zweiten Jahr und darf im nächsten Frühjahr voraussichtlich zum ersten Mal beerntet werden. Seine feinen Wedel – das weibliche Kraut leuchtet mit kleinen roten, giftigen Beeren – bleiben noch stehen und werden erst im Spätherbst (Ende Oktober/November) zurückgeschnitten. Das Kraut kann unbedenklich auf den Komposthaufen, denn das Gift wandelt sich beim verrotten und spielt am Ende keine Rolle mehr.

Für frisches Grün in den kälteren Monaten ist ebenfalls gesorgt: Feldsalat, Spinat, Wintersalate, Radieschen und Eiszapfen spitzen in den Hochbeeten schon keck aus der Erde. In Quickpot-Platten ziehen wir weiteren Feldsalat sowie Kohlrabi vor – diese wandern später ins Gewächshaus, sobald dort wieder Platz ist. Auch das Vermehren von Erdbeer-Ablegern in den Anzuchtplatten ist ein spannendes Experiment, auf dessen Ausgang wir schon neugierig sind.
Gerade die frischen Sämereien verlangen derzeit jedoch besondere Aufmerksamkeit: Bei der Kombination aus Spätsommersonne und Wind trocknet die Erde rasch aus, was das Keimen empfindlich stören oder ganz verhindern kann – regelmäßiges, sanftes Wässern ist hier das A und O.
Nachhaltigkeit & Saatgutgewinnung: Eigene Sorten bewahren
Wir setzen im Garten der Fermate vor allem auf samenfeste Sorten, um unabhängig zu bleiben und von Jahr zu Jahr eigenes Saatgut zu vermehren. Neben Feldsalat und Spinat, von denen wir Samen gewinnen, blüht aktuell auch der Schnittknoblauch, und bei den Ringelblumen (die sich ohnehin gerne selbst versamen) halten wir ebenfalls Ausschau nach reifen Samen für die nächste Saison.
Ganz besonders bewährt hat sich unsere Methode bei den Tomatensamen: Die Saatkörner legen wir für 2 bis 3 Tage in etwas Wasser mit einer kleinen Prise Zucker. Durch diese leichte Gärung löst sich die keimhemmende Gallertschicht ganz wunderbar von den Samenkörnern. Danach spülen wir sie in einem feinen Küchensieb gründlich ab. Getrocknet werden sie jedoch nicht auf Küchenkrepp, sondern schlicht auf einem Teller: Indem ich die Körnchen einmal am Tag kurz von der Tellerfläche löse, klebt nichts fest und man spart sich das lästige Anhaften von Papierresten – ein kleiner, aber genialer Trick für sauberes Saatgut!
Tierische Besucher und treue Zaungäste
Nicht nur wir Menschen fühlen uns auf dem Hof wohl, auch das tierische Miteinander funktioniert reibungslos: Täglich kommt Nachbars Katze zu Besuch. Sie nutzt das Grundstück fleißig für die Mäusejagd und lässt dabei unsere Kaninchen völlig in Ruhe – obwohl sie über den dortigen Apfelbaum jederzeit ganz leicht Zugang zu deren Teilaußenbereich hätte.

Aufmerksam beobachtet wird das bunte Treiben stets von unseren Zwerghühnern. Wann immer man in ihre Nähe kommt, stehen sie neugierig an der Zauntür und hoffen auf einen kleinen Leckerbissen. Besonders Henne „Henni“, ganz in Weiß und ausgesprochen zutraulich, kommt einem sofort entgegen und würde am liebsten hinterher durch die Beete spazieren. Doch der Nutzgarten bleibt für die gefiederte Schar aus verständlichen Gründen tabu – Ordnung muss sein!
Aus dem Garten der Fermate grüßt herzlich und wünscht Ihnen allen einen sonnigen, genussreichen Spätsommer!












































Ein Kommentar
Herzlichen Dank für diese wunderbare Mittwochs-Lektüre, liebe Wanda!
In Gedanken konnte ich die Binauer Luft atmen und den Duft der Kräuter genießen. Eure Tomaten sind ja gigantisch, wie die Fotos beweisen und die tollen Ufo Kürbisse alias Patisson aus Eurem wunderschönen Garten durften wir schon genießen.
Ein wirkliches Paradies, das Ihr mit der Fermate geschaffen habt!
Mögen aus jedem Samen, den Du säst,
wunderschöne Blumen werden, auf dass
sich die Farbe der Blüten in Deinen Augen
Spiegeln und sie Dir ein Lächeln aufs
Gesicht zaubern. (Irischer Sehensspruch)