Wenn eine Chance den Unterschied macht
Als Jannis Henrich vor einigen Monaten meine ältere, ungenutzte Spiegelreflexkamera zum Ausprobieren mit nach Hause nahm, stand zunächst nur eine Frage im Raum: Würde die Fotografie einen festen Platz in seinem Leben finden?
Mittlerweile gibt es darauf eine klare Antwort.
Vor Kurzem besuchte mich Jannis gemeinsam mit seiner Mutter Julia erneut. Der Anlass war erfreulich: Nach mehreren Monaten des Ausprobierens, Lernens und Fotografierens hat er seine Entscheidung getroffen – die Kamera bleibt bei ihm.
Schon bei diesem Treffen war zu erkennen, wie selbstverständlich ihm der Umgang mit der Technik inzwischen geworden ist. Während unseres Besuchs hatte ich die Gelegenheit, ihm beim Fotografieren über die Schulter zu schauen. Dabei wurde deutlich, dass aus der anfänglichen Neugier echtes Interesse geworden ist. Viele Handgriffe sitzen mittlerweile, und die Kamera wirkt längst nicht mehr wie ein fremdes Gerät, sondern wie ein vertrauter Begleiter.
Wenige Zeit später trafen wir uns eher zufällig wieder – diesmal auf einem Dorffest in Neckargerach. Schon von Weitem war Jannis zu erkennen: Die Kamera hing wie selbstverständlich um seinen Hals. Stolz erzählte er mir von einer weiteren erfreulichen Entwicklung.
Sein Großvater hatte seine Begeisterung für die Fotografie bemerkt und ihm ein zusätzliches Objektiv geschenkt. Mit einer Brennweite von 22–55 Millimetern und einer Lichtstärke von f/4.0–5.6 eröffnen sich für ihn nun weitere kreative Möglichkeiten. Dass die Begeisterung mittlerweile auch innerhalb der Familie Unterstützung findet, zeigt, wie aus einer spontanen Idee nach und nach etwas Größeres entstehen kann.
Während des Festes war Jannis immer wieder mit seiner Kamera unterwegs. Mal hielt er besondere Momente fest, mal suchte er nach interessanten Perspektiven oder spannenden Lichtstimmungen. Die Neugier, die bei unserer ersten Begegnung so deutlich spürbar war, ist geblieben – ergänzt um praktische Erfahrung und wachsendes fotografisches Verständnis.
Für diesen Bericht hat Jannis einige seiner Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Sie zeigen nicht nur Motive aus seinem Umfeld, sondern auch seinen Blick auf die Welt: aufmerksam, neugierig und mit einem Gespür für Licht, Perspektive und Atmosphäre.
Was als spontanes Gespräch nach einer Veranstaltung begann, hat sich inzwischen zu einem kleinen generationenübergreifenden Projekt entwickelt. Eine ungenutzte Kamera wechselte den Besitzer auf Zeit, Wissen wurde weitergegeben, Erfahrungen gesammelt und neue Möglichkeiten eröffnet.
Vor allem aber zeigt die Geschichte von Jannis, dass manchmal schon eine einzige Gelegenheit genügt, damit aus Interesse Leidenschaft werden kann. Und dass Unterstützung nicht immer groß oder kompliziert sein muss – manchmal reicht es, jemandem die Chance zu geben, einfach anzufangen.




















