Zwischen Schnee und Hoffnung
Es gibt diese Tage, an denen der Kalender noch Winter sagt, der Garten aber schon Frühling flüstert. Heute war so ein Tag. Schnee fiel vom Himmel, leise und unscheinbar, und doch fühlte er sich nicht mehr wie ein Abschied an, sondern wie ein letzter Gruß. Die Temperaturen bleiben im Plus, und irgendwo zwischen gefrorener Erde und erstem Licht wächst etwas, das sich nicht messen lässt: Vorfreude.
In den Fingern juckt es. Dieses vertraute Kribbeln, das jede Gärtnerin kennt. Die grobe Planung steht längst fest, doch nun beginnt der eigentliche Dialog mit der Erde. Beet um Beet wird vorbereitet, mit Geduld und der stillen Hoffnung, dass dieses Jahr gnädiger wird als das letzte.
Der Schnee hat im Hochbeet den Feldsalat zugedeckt, fast fürsorglich. Über den Winter hinweg waren es selbst gezogene Keimlinge und Kräuter, die den Alltag begleitet haben – kleine grüne Inseln im Grau. Sie erinnerten daran, dass Wachstum nicht laut sein muss, um kraftvoll zu sein.
Heute war ein Tag zum Säen. Auf der Fensterbank stehen nun Schalen, gefüllt mit winzigen Samen und großen Erwartungen. Frühe Sorten, die die Kühle brauchen, durften als Erste beginnen: Salate, Lichtkeimer, nur sanft mit gesiebter Erde berührt. Ein feiner Wassernebel, eine kalte Dusche – mehr braucht es manchmal nicht, um Leben anzustoßen. Kohlrabi wartet auf etwas mehr Wärme. Lauchzwiebeln, Sommerporree und der Schnittlauch stehen bereits in den Startlöchern, bereit für ihren eigenen Rhythmus.
Noch wachsen sie geschützt, im Gewächshaus, im Frühbeet oder unter Folientunneln. Dort dürfen sie stark werden, bevor sie dem Draußen begegnen. Denn draußen, das wissen wir, ist nicht immer freundlich.
Die Erinnerung an das letzte Jahr sitzt noch tief. Schnecken kamen in der Nacht und fraßen, was liebevoll gepflegt wurde. Selbst die Tomaten im Hochbeet blieben nicht verschont. Ob es dieses Jahr anders wird? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Aber Gärtnern war nie eine Garantie. Es ist ein Versprechen ohne Sicherheit, ein stiller Akt des Vertrauens. Und so wird wieder gesät. Trotz allem. Oder gerade deshalb.

















Ein Kommentar
Liebe Wanda,
dass Deine „Gärtnerinnenfinger“ jucken ist nachvollziehbar. Und ja, auch wir linsen nach Zeichen, die den Frühling ankündigen. Die Vorfreude auf neugierige Sprösslinge auf dem Fensterbrett, oder aus dem Gewächshaus, die das Licht aus der Erde erblicken, sind Balsam für die Gärtnerinnenseele.
Es gibt nichts Schöneres, als die Ernte aus dem eigenen Garten – ehrlich und schmackhaft.
Aber auch Schnecken sind Feinschmecker – mögen sie dieses Jahr ein anderes Gartenlokal wählen 😉
Karin & Gerd