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Naturbeobachtungen: Vom Zirpen zum Summen – Warum 2026 das Jahr der Hummeln ist

Wer in diesen Julitagen durch meinen Garten der Fermate streife, dem fällt es sofort auf: Es summt und brummt in einer Lautstärke und Intensität, die bemerkenswert ist. Rund um den Lavendel und den Zitronenthymian herrscht ein regelrechter Ansturm.

Dieses lebhafte, unermüdliche Treiben im Beet passt perfekt zum Geist unseres Hauses: Die Fermate ist ganz bewusst kein Ort der absoluten Stille, sondern vielmehr ein Raum des Innehaltens, um dem Alltag für einen Moment zu entfliehen. Wer sich hier zwischen den Beeten die Zeit nimmt, genau hinzuhören, wird Zeuge eines stetigen Wandels der Natur.

Ein Wechsel der Melodien

Noch vor wenigen Wochen wurde die abendliche Kulisse in unserem Garten von einem ganz anderen Konzert dominiert: dem intensiven, nächtlichen Zirpen der Grillen. Dass dieses Geräusch nun spürbar nachlässt, ist der natürliche Lauf der Dinge. Die lauten Rufe im Mai und Juni waren die Gesänge der Männchen auf der Suche nach Partnerinnen. Nachdem die nächste Generation nun sicher als winzige Eier tief in der warmen Erde ruht, endet der Lebenszyklus der erwachsenen Tiere im Juli.

Der Soundtrack unseres Gartens hat sich gewandelt: Das tiefe, geschäftige Summen der Hummeln am Tag löst das hohe Zirpen der Grillen in der Nacht ab. Doch warum erleben wir ausgerechnet in diesem Jahr eine derart massive Hummel-Population? Die Antwort liegt in einem perfekten Zusammenspiel aus unserem regionalen Wetter und der Natur.

Ein milder Frühling als Erfolgsrezept

Das Schicksal eines Hummelvolkes entscheidet sich nicht jetzt im Hochsommer, sondern bereits im zeitigen Frühjahr. Wenn die jungen Hummelköniginnen aus ihrer Winterruhe erwachen, sind sie völlig auf sich allein gestellt. Sie müssen Nektar finden und die erste Generation von Arbeiterinnen komplett alleine großziehen – eine extrem kritische und verwundbare Phase.

Hier kam uns die Witterung in diesem Jahr enorm zugute:

  • Der frühe Weckruf: Der März startete außergewöhnlich mild, sonnig und niederschlagsarm. Die Temperaturen kletterten früh auf fast 20 Grad – ideale Bedingungen, um die Königinnen sanft aus dem Winterschlaf zu holen.
  • Ein perfekter April: Der April war einer der trockensten seit Messbeginn und außergewöhnlich sonnig. Für die alleinerziehenden Königinnen war das ein echter Jackpot. Statt bei nasskaltem Dauerregen tagelang im Versteck ausharren zu müssen (was oft den Hungertod für die erste Brut bedeutet), konnten sie ununterbrochen ausfliegen.

Dieser verlustfreie Start im Frühling potenziert sich über die Monate. Aus den einzelnen, erfolgreichen Königinnen sind nun im Juli maximale Völker mit oft hunderten Arbeiterinnen herangewachsen.

Die Garten-Oase in der Trachtlücke

Dass sich die Insekten aktuell so stark an bestimmten Pflanzen ballen, hat noch einen weiteren Grund. Jetzt im Hochsommer beginnen Wiesen und Naturflächen durch die Sonne karger zu werden. Viele Wildblumen sind verblüht, und in der freien Landschaft entsteht eine sogenannte „Trachtlücke“ – das Nahrungsangebot wird knapp.

Grüne Rückzugsorte, in denen Kräuter wie Lavendel oder Zitronenthymian in voller Blüte stehen, wirken wie ein riesiger Magnet. Die Lippenblütler produzieren extrem zuckerreichen Nektar. Da Hummeln im Gegensatz zu vielen anderen Bienenarten über einen sehr langen Rüssel verfügen, kommen sie an den tief liegenden Nektar der röhrenförmigen Blüten mühelos heran.

Wer brummt denn da?

Wer beim Durchatmen am Lavendelstrauch genau hinsieht, kann aktuell vor allem zwei Dauergäste ausmachen:

  • Die Erdhummel: Leicht zu erkennen an ihrem breiten, gelben Halskragen, einem weiteren gelben Band am Hinterleib und der weißen Schwanzspitze.
  • Die Steinhummel: Sie besticht durch einen tiefschwarzen Körper, der am Ende in eine leuchtend rot-orangefarbene Schwanzspitze übergeht.

Das laute Brummen zwischen unseren Kräutern ist also weit mehr als nur ein Sommergeräusch. Es ist das hörbare Zeichen eines gesunden, florierenden Ökosystems direkt vor unserer Haustür.

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