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Persönliche Gedanken und Einblicke zum Thema Rente

Text und Fotos: Gerd Mildenberger

„Die Rente ist sicher“ – kaum ein politischer Satz brannte sich in die Köpfe der Deutschen so ein wie dieser – auch bei mir. Der frühere Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm (1935 bis 2020, CDU) sprach die Worte erstmals im Wahlkampf 1986. Am Montag, 10. Oktober 1997, sollte er sie jedoch während einer hitzigen Debatte im Deutschen Bundestag wiederholen. Mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP verabschiedete das Parlament an diesem Tag das Rentenreformgesetz.

Ich bin jetzt 65 Jahre und 9 Monate alt und konnte als langjähriger Versicherter bei der Rentenkasse am 01.07.2024 in den Ruhestand gehen. Die Freude meinerseits war sehr groß diesen Schritt machen zu können, da ich auch schon auf meiner damaligen stressigen Arbeit in der Verwaltung schon von meiner Chefin im Spaß als „Auslaufmodell“ bezeichnet wurde.

In den Medien wird schon seit geraumer Zeit und jetzt wieder verstärkt über die Rente diskutiert. Vor allem werden auch die sogenannten „Babyboomer“ genannt die verstärkt das Rentensystem belasten! 

Ich habe diesbezüglich kein schlechtes Gewissen als sogenannter Babyboomer. Ich sehe es pragmatisch: Ich habe 48 Jahre gearbeitet, regelmäßig Beiträge entrichtet und mich frühzeitig verlässlich um meinen Lebensabend gekümmert, um so einen soliden Grundstein zu legen.

Unsere Generation zumindest hat das Sparen und Hauswirtschaften mit wenig Geld von den Eltern noch gelernt und auch, dass man für unerwartete Kosten sowie den Ruhestand vorsorgt. Zu dieser Zeit war u. a. das Modell „Lebensversicherung“ noch von lohnenswerter Bedeutung.

Da seit dem oben genannten Satz von Dr. Norbert Blüm mittlerweile schon fast 40 Jahre vergangen sind frage ich mich, was haben unsere gewählten Politiker seitdem eigentlich getan um die Rente schon viel früher auf ein festes Gerüst zu stellen?

Klar ist, dass demografische Veränderungen, steigende Lebenserwartung und wirtschaftliche Entwicklungen die Rentensysteme vor Herausforderungen stellen, aber das wusste man doch schon viel früher.

Ich wünsche mir jedenfalls, dass die Gesellschaft respektvoll über das Thema Alter und Rente spricht und dass Lösungen gefunden werden, die fair und nachhaltig sind, ohne Schuldgefühle zu schüren.

Des weiteren möchte ich noch festhalten, dass ein noch längeres Arbeiten auch evtl. mit der Gesundheit eines Jeden einhergeht und man daher die Rente vielleicht nicht mehr „genießen“ kann! 

Bei mir jedenfalls war es was das gesundheitliche betrifft im Rückblick richtig etwas „früher“ in Rente zu gehen, da ich nach 8 Monaten Ruhestand plötzlich und unerwartet einen Schlaganfall erlitt, ohne dass die Ursache für den Auslöser festgestellt wurde.  Durch schnelles Reagieren meiner Ehefrau und sechstägigem Aufenthalt im Krankenhaus habe ich das Ganze ohne etwaige Nachwirkungen überstanden.

Mein Hausarzt hat mir dennoch prophylaktisch ein Blutdruck-Medikament, Blutverdünnung sowie einen Cholesterin-Senker verordnet und darauf hingewiesen im Hinblick auf größere Anstrengungen mir nichts selber beweisen zu wollen.

Im Nachhinein führe ich diese gesundheitlichen Probleme auf beruflichen Stress und auch auf drei Corona-Impfungen zurück, die meinen Körper sehr wahrscheinlich geschwächt haben.

In den ersten Monaten meiner Rente habe ich diese körperliche Schwäche wahrscheinlich auch unterschätzt, da ich mir ein Pedelec gekauft habe und damit auch viele kleine aber auch „größere“ Touren unternommen habe, die vielleicht für meinen Körper nicht so gut waren.

Daran halte ich fest und genieße jetzt umso mehr den Ruhestand!

Auf die Frage eines guten Freundes von mir, der noch nicht im Ruhestand ist, wie oder was man denn so mit der täglichen „Freizeit“ anfängt, sagte ich ihm, dass es schon eine große Umgewöhnung vom Arbeitsleben in den Ruhestand ist. Das geht auch nicht von heute auf morgen und man braucht vor allem eine grobe Tagesstruktur. 

Die ersten Wochen verbrachte ich wie einen Urlaub auf Balkonien, doch bald merkte ich, dass ich morgens in aller Frühe im Bett lag und der Wecker mich nicht mehr zu Arbeitspflichten alarmierte. 

Jetzt stehe ich nicht mehr so früh auf wie noch zu Arbeitszeiten, frühstücke gemütlich und lese die Tageszeitung.

Ein täglicher Spaziergang mit oder ohne Ehefrau folgt dann. Da ich auch Spaß am Kochen habe, bereite ich ab und zu auch unser Mittag- oder Abendessen zu. Meine Ehefrau unterstütze ich bei der Hausarbeit. Mittags wende ich mich meistens meinem Hobby der Fotografie zu. Überwiegend mache ich aus den vielen Fotos, die ich bei Wanderungen, Urlaub, Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten, Städtereisen und auch manchmal Hochzeiten geschossen habe eine Fotoshow, die ich mit Texten und Musik untermale. Neuerdings beschäftige ich mich auch mit der Makrofotografie. Da die Fotografie so weitreichend ist, kann man damit auch viel Zeit verbringen. Nach dem Abendessen ist meistens das Fernsehen die erste Wahl. Die tägliche Tagesschau, sowie Live Fußball, Dokumentationen, Krimis und auch YouTube Videos, natürlich über Fotografie interessieren mich am Meisten.

Außerdem kommt von Frühjahr bis Herbst noch das Gärtnern hinzu, sowie sonstige Arbeiten die im und ums Haus herum anfallen. Auch Reisen mit meiner Frau, insbesondere zu unseren besten Freunden im Odenwald, gehören dazu.  

Für das nächste Jahr habe ich mir wieder vorgenommen kleine Pedelec-Touren, auf die ich aus besagten gesundheitlichen Gründen dieses Jahr verzichtet habe, zu unternehmen.

Wie man sieht wird es mir nicht langweilig, wichtig für mich jedenfalls ist es, die Tage, entspannt und ohne Hektik zu verbringen und das hoffentlich noch lange mit meiner Ehefrau. 

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7 Kommentare

  • Mit großem Interesse habe ich die obigen Zeilen gelesen, da ich mich in einer sehr ähnlichen Lage befinde. Nach nahezu 50 Jahren Arbeit habe ich mich aus dem Berufsleben verabschiedet – allerdings nicht in einen sorgenfreien Ruhestand, sondern direkt in gesundheitliche Probleme. Eine Herzoperation und ein Herzschrittmacher haben mir unmissverständlich gezeigt, dass die Belastungen eines langen Arbeitslebens nicht spurlos bleiben.
    Gemeinsam mit meiner Frau versuche ich dennoch, diesen Lebensabschnitt so gut wie möglich zu gestalten. Mein Hund ist dabei eine große Hilfe, denn ohne ihn würde ich viele der für Körper und Geist so wichtigen Spaziergänge und Wanderungen wohl kaum in diesem Umfang unternehmen.
    Umso befremdlicher und ärgerlicher empfinde ich es, wenn aus der Politik gefordert wird, man solle doch bitte noch länger arbeiten – während gleichzeitig eingeräumt wird, dass die Rente ohnehin nur eine Basisabsicherung darstellt und der gewohnte Lebensstandard damit nicht mehr zu halten ist. Nach einem halben Jahrhundert Arbeit ist das ein Schlag ins Gesicht all jener, die dieses System überhaupt erst getragen haben.
    Auch die gesundheitlichen Entwicklungen der letzten Jahre werfen Fragen auf. Die Zunahme schwerer Erkrankungen wird zwar statistisch erfasst, doch eine offene und ehrliche gesellschaftliche Diskussion darüber findet kaum statt.
    Fakt ist: Vor 40 Jahren galt die Rente als sicher und ausreichend. Selbst noch lange nach der Jahrtausendwende konnte man davon ausgehen, im Alter ein würdevolles Leben führen zu können. Heute hingegen ist das Rentenniveau – auch unter Berücksichtigung der Kaufkraft – deutlich gesunken.
    Dass dies so gekommen ist, liegt nicht zuletzt an politischen Entscheidungen. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Rentenkasse für Aufgaben herangezogen, für die sie ursprünglich nicht gedacht war. Die Folgen dieser Politik tragen nun diejenigen, die ihr Leben lang gearbeitet haben.
    Was jedoch besonders irritiert, ist die weitgehende gesellschaftliche Akzeptanz dieser Entwicklung. Anstatt entschlossen gegenzusteuern, scheint sich eine Haltung des Hinnehmens breitgemacht zu haben.
    Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass zentrale Probleme nicht mit der nötigen Klarheit angegangen werden. In einer ohnehin angespannten welt- und innenpolitischen Lage werden Prioritäten gesetzt, die viele Menschen nicht mehr nachvollziehen können.
    Mein größter Wunsch ist daher, dass weder ich noch meine Kinder die Konsequenzen dieser Entwicklungen in ihrer vollen Härte erleben müssen. Denn wenn der eingeschlagene Kurs beibehalten wird, drohen Verwerfungen, die weit über das hinausgehen, was wir heute bereits spüren.

    • Lieber Herr Wirth, danke für Ihren ehrlichen Kommentar. Sie sprechen mir aus der Seele.
      Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles erdenklich Gute.
      Liebe Grüße
      Gerd Mildenberger

      • Lieber Herr Mildenberger,
        herzlichen Dank zunächst für Ihren Beitrag und vor allem für den Anstoß zu einer aus meiner Sicht längst überfälligen Diskussion.
        Auch ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Glück und Gesundheit – verbunden mit der leisen Hoffnung, dass Sie weiterhin den Mut (und die gute Gewohnheit!) behalten, wichtige Themen öffentlich anzusprechen.
        Viele Grüße
        Michael Wirth

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