In Binau sorgt seit Kurzem ein neues Konzept für frischen Wind in der Nahversorgung: ein 24/7-Selbstbedienungsladen. Hinter dem Projekt steht Geschäftsführer Jonas Backfisch, der gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Mario Roos den Schritt in ein modernes, digitales Dorfladenmodell gewagt hat. Nach der ersten Woche fällt die Bilanz überraschend deutlich aus – rund 99 Prozent positives Feedback aus der Bevölkerung.
Ein Projekt aus Eigenleistung und Ausdauer
Der rund 70 Quadratmeter große Laden liegt strategisch günstig nahe dem Bahnhof. Im Umkreis von etwa 25 Kilometern gilt das Konzept als Alleinstellungsmerkmal. Der Umbau dauerte rund sechs Monate – meist in den Abendstunden und an Wochenenden. „Vieles haben wir selbst umgesetzt“, so Backfisch. Insgesamt flossen etwa 80.000 Euro in Technik, Infrastruktur und Ausbau, wovon ca. 24.000 Euro Fördergeld vom Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) stammt.
Besonders aufwendig war die Elektrik: getrennte Absicherung der Geräte, zusätzliche FI-Schutzschalter sowie ein bis zu zwei Kilometer langes Netz aus Strom- und Datenkabeln sorgen für Stabilität im laufenden Betrieb.
Einkaufen rund um die Uhr – aber mit klaren Regeln
Der Zugang erfolgt über Bankkarten, gängige Kreditkarten und Bezahl-Apps; American Express wird bewusst nicht unterstützt. Für alkoholische Produkte setzt das Dorflädle auf Altersverifikation per Ausweisscanner. Auch beim Thema Sicherheit zeigt sich das Team vorbereitet: Notbeleuchtung, klar definierte Fluchtwege und ausfallsichere Kassensysteme gehören zum Standard.
Technik spielt generell eine zentrale Rolle: Kamera- und Kassensysteme sind miteinander verbunden, um Abläufe nachvollziehbar zu machen. Verdächtige Muster werden automatisch erkannt – bislang gab es jedoch keine Vorfälle.
Regionale Produkte und überraschende Verkaufsschlager
Ein Schwerpunkt liegt auf regionalen Partnern. So beliefert die Bioscheune aus Elztal/Muckental den Laden mit Bio-Nudeln, Grünkern, Linsen und Eiern, während Gespräche mit weiteren Höfen laufen – etwa mit dem Heinrich Hof. Hauptlieferant im Großhandel ist ICROSS.
Zu den Topsellern gehören kleine Getränkeflaschen von Rhön Sprudel, Tiefkühlpizza sowie Back- und Metzgerwaren. Besonders gefragt ist Mozzarella – ein Produkt, das zeitweise nicht lieferbar war und nun in der Bestellplanung stärker berücksichtigt wird. Frische Backwaren liefert die Bäckerei Dreschflegel täglich bis sieben Uhr morgens.
Treffpunkt statt reiner Einkaufsort
Schon jetzt entwickelt sich der Laden zu einem sozialen Mittelpunkt. Zu den Stoßzeiten zählen die morgendliche Pendlerphase, der Feierabend zwischen 16 und 19 Uhr sowie ein abendlicher Jugend-Rush. Am Wochenende ist die Nachfrage besonders hoch.
Geplant sind Sitzbänke und Fahrradständer, um kurze Wege zu fördern und den Treffpunktcharakter zu stärken. Zusätzlich soll eine bessere Beschilderung die Sichtbarkeit vom Bahnhof und von der Bundesstraße erhöhen.
Herausforderungen: Hitze, Energie und Logistik
Ein zentraler Punkt bleibt die Hitzeentwicklung durch die vielen Geräte – ein Problem, das bereits im Winter spürbar war. Kurzfristig setzt das Team auf zusätzliche Lüftung, mittelfristig sollen Klimaanlagen installiert werden. Neben dem Kundenerlebnis geht es vor allem um die Qualität empfindlicher Ware.
Auch die Energiepreise sind ein entscheidender Kostenfaktor im 24/7-Betrieb. Hinzu kommen typische Start-up-Herausforderungen wie Lieferengpässe und das Feintuning der Bestellmengen.
Nachhaltigkeit und soziale Ideen
Produkte mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum werden rabattiert angeboten. Beschädigte Einzelstücke finden ihren Weg zu lokalen Bauernhöfen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Zusätzlich prüft das Team eine Zusammenarbeit mit der Tafel in Mosbach.
Ein weiteres Projekt ist ein ehrenamtliches „Sammeltaxi“, das Menschen ohne eigenes Fahrzeug wöchentlich zum Laden bringen soll – ein Konzept, das die Selbstständigkeit beim Einkaufen erhalten soll.
Ein Vorzeigeprojekt für die Region?
Die Resonanz zeigt: Der Bedarf an flexibler Nahversorgung ist groß. Viele Kunden kommen spontan vorbei, zunehmend werden aber auch kleinere Wocheneinkäufe erledigt. Unterstützt wird das Projekt von Gemeinde und Verwaltung – nicht zuletzt, weil es neue Impulse für die Region setzt.
Für Backfisch steht fest: „Der Laden soll wachsen – aber immer gemeinsam mit der Community.“ Offene Feedback-Kanäle, Wunschlisten im Laden und direkte Gespräche bleiben zentrale Bausteine des Konzepts.
In eigener Sache
Das Team Binauer Puls bedankt sich für das Interview mit Jonas Backfisch – geführt am 12.02.2026 zwischen 11 und 12 Uhr in der Redaktion Binau. Wir wünschen dem sympathischen Jungunternehmer alles Beste und freuen uns auf weitere Innovationen.
Gastbeitrag von Angela Löwe
Binauer’s Lädle
Die Zeiten ändern sich – und auch das Einkaufsverhalten gehört dazu. Ich gehöre zur Generation, die mit dem Milchkännchen frische Milch holen ging. Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der mittwochs nachmittags geschlossen war und samstags nur bis 12:00 Uhr geöffnet wurde. Bis heute hat sich einiges getan, was die Öffnungszeiten, das angebotene Sortiment sowie den Liefer- und Abholservice betrifft. Doch jede Veränderung bringt bei manchen auch Skepsis und Vorbehalte mit sich.
Und jetzt hat Binau ein 24/7-Lädle … Ich persönlich bin begeistert!
Ein toller Bericht war in der Rhein-Neckar-Zeitung über das Binauer Lädle und seine Entstehung zu lesen. Zur Einweihung war einiges geboten, und nachdem sich der Andrang im Lädle etwas gelichtet hatte, bin ich neugierig hineingegangen. Und was soll ich sagen – WOW, das hatte ich nicht erwartet!
Ein Sortiment, das die Grundbedürfnisse auf jeden Fall abdeckt – und noch etwas mehr. Klar habe ich gleich etwas eingekauft und die Zahlung mit der Karte durchgeführt, einfach um zu sehen, wie es funktioniert.
Tags darauf bin ich wieder mit meinem Mann hingegangen, da ich überlegt hatte, jedem von uns einen Gutschein zu besorgen, um nicht immer mit der EC-Karte zahlen zu müssen. Da bin ich wohl etwas eigen. Kleinbeträge zahle ich entweder bar oder – wie es jetzt möglich ist – mit der Gutscheinkarte. Und auch hier haben wir wieder ein paar Kleinigkeiten eingekauft.
Auch am Sonntag habe ich beschlossen (mit etwas schlechtem Gewissen – von wegen Sonntag …), ins Lädle zu gehen, und war überzeugt davon, dass ich dort allein sein würde. Aber falsch gedacht: Das Lädle war gut besucht. Ob alle aus Binau oder aus der Umgebung kamen, kann ich nicht sagen. Somit konnte man miteinander plaudern, was dem sozialen Umgang untereinander sehr förderlich war.
Und auch am Montag war ich wieder im Lädle, da wir für uns beschlossen haben, die regionalen Produkte – soweit es geht – zu unterstützen. Das eine oder andere Produkt mag etwas teurer sein als in Supermärkten oder Discountern. Das Lädle wird auch nicht den „Großeinkauf“ abdecken, aber für den täglichen Bedarf ist es eine super Alternative und wird von mir auf jeden Fall genutzt werden.
Ich möchte mich herzlich bei den Initiatoren bedanken – auch dafür, dass sie als Ansprechpartner geduldig unsere Fragen beantwortet haben. Ich bin zuversichtlich, dass sich dieses Konzept behauptet und fest etabliert.
Nochmals vielen Dank – und vielleicht sieht man sich ja ab und zu im Lädle.
Grußwort Bürgermeister Dominik Kircher
Grußwort zur Eröffnung des 24/7-Dorfladens „Binau‘s Dorflädle“
am 5. Februar 2026
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Gemeinderäte, liebe Mitarbeiter aus Verwaltung und Bauhof,
sehr geehrte Gäste,
lieber Herr Backfisch, lieber Herr Roos, lieber Jonas, lieber Mario,
meine Damen und Herren,
heute ist ein ganz besonderer Tag für unsere Gemeinde Binau. Mit der Eröffnung unseres neuen 24/7-Dorfladens, genauer gesagt „Binau‘s Dorflädle“, schließen wir eine wichtige Lücke in unserer örtlichen Infrastruktur und stärken zugleich die Lebensqualität in unserem Ort nachhaltig.
Nahversorgung ist weit mehr als nur die Möglichkeit, Lebensmittel oder Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen. Sie bedeutet Selbstständigkeit im Alltag, kurze Wege, mehr Lebensqualität – gerade für ältere Menschen, für Familien oder für alle, die bewusst regional einkaufen möchten. Ein funktionierender Nahversorger trägt maßgeblich dazu bei, dass eine Gemeinde lebendig bleibt und als Wohn- und Lebensort attraktiv ist.
Viele Bürgerinnen und Bürger haben in den vergangenen Jahren gespürt, was es bedeutet, wenn ein solcher Versorgungsstandort fehlt. Umso erfreulicher ist es, dass wir heute gemeinsam diesen wichtigen Meilenstein feiern dürfen.
Mein besonderer und herzlicher Dank gilt Herrn Jonas Backfisch und Herrn Mario Roos. Ihr habt mit großem Engagement, unternehmerischem Mut und viel persönlichem Einsatz die Idee eines Dorfladens aufgegriffen und in bemerkenswert kurzer Zeit Realität werden lassen – nicht einmal ein Jahr hat es von der Planung bis zur Eröffnung gedauert. Ihr übernehmt damit nicht nur unternehmerische Verantwortung, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag für unsere Dorfgemeinschaft. Dieses Engagement verdient großen Respekt und Anerkennung.
Besonders bemerkenswert ist auch das moderne 24/7-Selbstbedienungskonzept. Es zeigt, dass innovative und flexible Lösungen gerade im ländlichen Raum große Chancen bieten. Der Dorfladen verbindet traditionelle Nahversorgung mit zeitgemäßen Einkaufsmöglichkeiten und passt sich damit den Bedürfnissen unserer Bürgerinnen und Bürger an. Zudem freut es mich sehr, dass auch lokale Partner dabei sind, wie die Binauer Landwirtsfamilie Krämer, die Bäckerei Dreschflegel aus Mosbach und die Metzgerei Baumeister aus Waibstadt, die uns ja auch donnerstags vor dem Rathaus mit frischem Fleisch und frischer Wurst versorgt.
Als Gemeinde war es uns ein großes Anliegen, dieses Projekt nach Kräften zu unterstützen. Daher haben wir die Antragstellung im Rahmen des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum – ELR – im Nachrückerverfahren im Mai 2025 aktiv begleitet. Förderprogramme wie das ELR sind ein entscheidender Baustein, um Projekte zu ermöglichen, die die Zukunftsfähigkeit unserer ländlichen Gemeinden sichern. Erfreulicherweise erhält unser „Dorflädle“ fast 30.000 € Fördermittel aus dem ELR-Programm. Die Gemeinde unterstützt ebenfalls.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich ausdrücklich bei Frau Brell vom Landratsamt sowie bei Frau Breiding vom Ingenieurbüro IFK für die kompetente und engagierte Unterstützung bedanken. Ebenso gilt mein herzlicher Dank Herrn Minister Peter Hauk MdL sowie unserem Landrat Dr. Achim Brötel für ihre Unterstützung des Förderantrags und ihr klares Bekenntnis zur Stärkung des ländlichen Raums. Herr Landrat Dr. Brötel wird nachher noch zu uns stoßen und uns mit einem Grußwort beehren. Herr Hauk wird das „Dorflädle“ nächste Woche besuchen.
Ein Dorfladen ist jedoch mehr als nur ein Ort des Einkaufens. Er ist auch ein Ort der Begegnung, des Austauschs und des Miteinanders. Er stärkt die Identifikation mit unserer Gemeinde und trägt dazu bei, dass Binau lebendig, attraktiv und zukunftsfähig bleibt.
Damit dieses Projekt langfristig erfolgreich sein kann, braucht es aber auch die Unterstützung von Ihnen allen, unserer Bürgerschaft. Nutzen Sie dieses Angebot, kaufen Sie vor Ort ein und tragen Sie so dazu bei, dass dieser Dorfladen ein dauerhafter Bestandteil unseres Gemeindelebens wird.
Ich wünsche Herrn Backfisch und Herrn Roos viel Erfolg, stets zufriedene Kundinnen und Kunden sowie eine positive Entwicklung für ihren und unseren Dorfladen.
Mein Dank gilt abschließend allen, die zur Umsetzung dieses wichtigen Projekts beigetragen haben.
Ich erkläre „Binau‘s Dorflädle“ hiermit feierlich für eröffnet. Vielen Dank.



























