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Ein Deal zwischen Generationen

„Entschuldigung, darf ich mal Ihre Kamera anschauen?“ Jannis Henrich kam nach der Gesprächsrunde bezüglich des Projekts „Scholli’s Dorfladen“ mit dieser Frage auf mich zu, während die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Raum verließen, um bei der Eröffnung im Laden präsent zu sein.

Erstaunt schaute ich ihn an, während er schon dabei war, die nächsten Fragen zu stellen und Begriffe wie Pixel, Brennweite und Spiegelreflexkamera aus ihm heraussprudelten. 

Noch perplexer war ich, als er mich bat, in die Kamera vorne rein schauen zu dürfen, indem ich das Objektiv abnehme. Wow, es zeigte sich im Verlauf des Gespräches, dass Jannis unglaublich Interesse an Kameras und an der anderen Art der Fotografie hat, als nur mit dem Handy Fotos zu schießen. So wie es vermutlich die meisten Jugendlichen in seinem Alter tun, laut Jannis. 

Hinter all seinen Fragen und Worten erkannte ich sofort, was sich für ein großes Dilemma dahinter verbarg:  er hatte keine Möglichkeit, sich an einer Kamera auszuprobieren und ihre Funktionen zu erforschen um am Schluss herauszufinden, ob sich es lohnen würde, eine eigene anzuschaffen. Denn um diese Art der Fotografie erstmal auszuprobieren, wäre eine größere Investition nötig.

Dann sah mich und meine Anfänge der Fotografie und fühlte mit Jannis. Ich hatte ebenfalls niemandem in meinem Umfeld, der solch eine Kamera besaß, mit dem ich mich hätte darüber unterhalten können bzw. der mir seine Kamera zum Probieren überlassen hätte.

Da kam mir die Idee , die ich ohne lange zu überlegen Jannis unterbreitete: 

„Ich hab noch eine Kamera, die ich zu meinen Anfangszeiten verwendet habe und momentan nicht in Gebrauch ist,“ sagte ich ihm. „Die kannst du haben und schauen, ob das was für Dich ist.“ Folge: Die Kontaktdaten wurde getauscht, ein Termin zur Besichtigung meiner digitalen Kamera vereinbart. 

Jannis kam ein paar Tage nach unserer Begegnung in Begleitung seiner Mutter Julia Henrich und bekam meine betagte, aber voll funktionsfähige, Spiegelreflex Kamera mit Zubehör überreicht. Jannis war überglücklich, als er den Fotoapparat zum ersten Mal in Händen hielt und war voller Vorfreude aufs fotografieren. Ich erklärte ihm ein paar wichtige Funktionen und vermittelte ihm, worauf er bei der Handhabung achten solle. 

Da zu viel Input auf einmal Überforderung hervorrufen kann und die Gefahr besteht, dass davon einiges verloren geht, betonte ich, dass er vieles im Internet findet. Und am besten ist es, immer nur ein Thema anzugehen und sich dies dann praxisnah zu erarbeiten. Aber das Angebot steht, dass er gerne mich kontaktieren kann, wenn etwas unklar sei.

„Ich interessiere mich sehr für die Welt und alles, was so schön aussieht.“ erzählt Jannis und berichtet, dass er gerne Landschaftsaufnahmen macht. Seine Mutter untermauerte diese Aussage und verrät, dass Jannis sich schon vieles zu diesem Thema im Internet angeschaut hat.

Ein Deal wurde formuliert:

Jannis probiert den Fotoapparat aus, macht sich mit den Funktionen vertraut und findet heraus, ob die Fotografie in seinem Leben einen festen Platz finden würde. Dafür hat er drei bis vier Monate Zeit. Danach kann er mir die Kamera zurück geben oder übernehmen. Und dafür bekomme ich von ihm, sofern er Zeit und Lust hat, eine kleine Fotoserie mit Beschreibung seiner Fortschritte. Seine Beiträge werden dann im Binauer Puls veröffentlicht, dem Online-Magazin für Binau und Umgebung.

Fazit: Jannis hat mit wenig Risiko und geringstem Aufwand die Möglichkeit, Erfahrungen auf einem Gebiet zu sammeln, das ihm am Herzen liegt. Ich selbst freue mich, einem jungen Menschen Technik, die mittlerweile bei mir ungenutzt im Schrank lag, sowie mein Wissen, weitergeben zu können. 

Die Freude in Jannis Augen zu sehen bestätigte seine Dankbarkeit an seine Mutter Julia Henrich, die ihn durch ihre Erlaubnis hierzu, unterstützt und des Weiteren begleiten wird. 

Egal was daraus wird. Jannis Erfahrungsschatz wird erweitert, er wird auf jeden Fall daran wachsen. Und nicht nur er, davon bin ich überzeugt.

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3 Kommentare

  • Wie schön, die Begeisterung von Jannis und dir liebe Wanda, durch deinen Artikel zu spüren.
    Eine ganz wunderbare Idee, von der beide Seiten nur profitieren können. Vielleicht gewinnt
    es ja Nachahmer, die ungenutzte Sachen dadurch wieder zum Leben erwecken und so anderen die Möglichkeit des Ausprobierens ermöglichen.

  • Hallo Wanda!
    Welch schöne Geschichte und welch tolle Idee dahinter. Ich hoffe, dass wir dann künftig vielleicht noch etwas mehr von Jannis zu sehen oder von dir zum weiteren Verlauf zu lesen bekommen. Vielleicht wurden hier schon. Weichen dafür gelegt, was Jannis später einmal beruflich tun wird. Man soll ja bekanntlich, wenn eben möglich, einen Beruf ergreifen, für den man „brennt“. 😉

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