Jedes Huhn muss laut Gesetz gegen die Newcastle Krankheit (Hühnerpest) geimpft werden. Doch die Umsetzung entpuppt sich für Hobby-Hühnerhalter meist als ein großes Problem.
So auch für mich, als ich im Frühjahr 2024 meinen lang gehegten Wunsch der Hühnerhaltung in die Realität umsetzte. Bisher waren Zeit- und Platzmangel die Hauptargumente, die dagegen Sprachen. Doch die Fermate mit ihrem Potenzial war unumstritten prädestiniert für solch ein Vorhaben.
Ich holte mir eine immense Anzahl an Infos bezüglich Rassen und Haltung von Hühnern aus dem Internet, was in heutiger Zeit kein Problem darstellt. Ein Hühnergehege wurde aufgebaut und Tiere waren schnell gefunden. Ich übernahm eine kleine Gruppe Zwerghühner von einer Züchterin, die ihren Bestand dezimieren wollte. „Sie haben vor drei Tagen Ihren Impfstatus aufgefrischt bekommen“, berichtete mir diese, als ich die Hühner bei ihr abholte. Aufatmen – über diese Information war ich unglaublich froh, denn wie ich die Pflichtimpfung der Tiere hinbekommen sollte, hatte sich aufgrund der schwierigen Umstände bisher nicht geklärt.
Schwierige Umstände? Ja, so stellte es sich für mich dar. Problemlos an den Impfstoff heranzukommen, ist anhand eines Beitritts in einen Kleintierzüchter-Verein möglich. Dieser verteilt ihn regelmäßig an seine Mitglieder, die für ihr Geflügel solchen benötigen. Aber genau dies wollte ich nicht. Ich wollte mich nicht zwingen lassen, aus diesem Grund einem Verein beizutreten.
Ich hatte noch etwas Zeit und recherchierte weiter. Es musste doch eine Alternative geben, zumal diese Impfung eine gesetzliche Vorgabe ist. Ich fand heraus, dass es zwei Methoden bezüglich der Impfweise gibt. Zu einem ist eine Impfstoffgabe via Spritze möglich, die ein Tierarzt ausführt und ein Jahr hält. Die Konsequenz hierbei ist, dass die Tiere zu diesem hingebracht werden – das kann sich zweifelsohne jeder selber ausmalen, was das für ein Aufwand ist. Wobei es hier anzumerken gilt, dass es Tierärzte gibt, die ein Mal im Jahr eine Route in ihrem Umkreis abfahren und an diesem Tag, auf Vorbestellung, den Tieren vor Ort eine Spritze geben. Zum anderen gibt es eine sich alle sechs Wochen wiederholende Impfung über Wassergabe. Die Tierärzte sind berechtigt, solch eine Art von Impfstoff an Privatpersonen abzugeben. Genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Aufgrund dieser Information kontaktierte ich telefonisch die Tierarztpraxen in der näheren und weiteren Umgebung. Jedes Mal bekam ich diesen (oder ähnlichen) Satz zu hören: „Wir behandeln keine Hühner und geben auch keinen Impfstoff aus.“ Als ich schon verzweifelt aufgeben wollte, hatte ich bei meinem letzten Telefonat, das ich an diesem Tag zu tätigen gedachte, direkt den Tierarzt der Praxis am Apparat. Als das Ende dieses Gespräches wieder in die übliche Richtung lief und ich eine Absage erhielt, stellte ich ihm die Frage, die sich aufdrängte: „Wie solls denn gehen, die gesetzliche Vorgabe einzuhalten, wenn kein Tierarzt dazu bereit ist, Hobbyhalter mit ihren wenigen Hühnern zu betreuen und mit Impfstoff zu versorgen?“
Auf einen Moment des Schweigens erfolgte die Bereitschaft, sich auf das Thema einzulassen. Ein klärendes Gespräch gab mir Einblick über die Hintergründe der ablehnenden Haltung der Tierärzte. In der Tat lassen sich die wenigsten von ihnen auf die medizinische Versorgung von Hühnern ein. Ein anderes Problem besteht darin, dass immer eine ganze Packung des Impfstoffes bestellt werden muss. Und eine Packung enthält 12 Dosen, von denen eine einzige für 1000 Hühner konzipiert ist. Klar: kaufe ich nur eine Dose, bleibt der Tierarzt unter Umständen auf den Restlichen ‚sitzen‘ , was gleichzusetzen ist mit Verlust, denn eine ganze Packung kostet nicht wenig, ist nur begrenzt haltbar und muss zudem gekühlt gelagert werden. Genauso war logisch, dass eine Dose für meine fünf Zwerghühner reichlich überdimensioniert ist.
Die Problematik inspirierte mich, kreativ zu denken. Die Lösung konnte nur darin bestehen, ungewöhnliche Wege zu gehen. Und so kam es zu folgendem Kompromiss, auf den sich der Tierarzt einlassen konnte: Er betreut meine Zwerghühner und besorgt den notwendigen Impfstoff mit dem Namen ND Clone 30. Bezüglich des sachgerechten Umgangs klärte er mich auf. Dafür übernehme ich die ganze Packung und mische im sechswöchigen Rhythmus eine Dose davon in Wasser an, um ihn den Hühnern zu verabreichen. Da eine Dose für 1000 Hühner ausgelegt ist, fand ich es sinnvoll, diesen zu teilen. Auf entsprechende Aufrufe in verschiedenen Facebook-Foren, die ich hin und wieder startete, meldeten sich Hühnerhalter, die froh waren, sich auf so unkomplizierte Weise daran beteiligen zu können. So bildete sich mittlerweile eine kleine Gruppe, der sich gerne angeschlossen werden kann. Inzwischen gehen wir in die 14. Runde.
Eine „Win-Win-Situation“: Der Tierarzt macht keinen Verlust, Hobbyhalter entsprechen den gesetzlichen Vorgaben, ohne den Zwang Mitglied in einem Kleintierzuchtverein zu sein, und ich muss nicht den größten Teil des Impfstoffes ungenutzt entsorgen.
Ich bin dankbar, einen Tierarzt gefunden zu haben, der bereit war, mit mir diesen ungewöhnlich Weg zu beschreiten.












