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Kanadagänse am Neckarufer: Schöne Tiere mit problematischen Folgen

Wer am Neckarufer in Binau spazieren geht, begegnet ihnen fast zwangsläufig: Kanadagänse. Mit ihrem ruhigen Auftreten und dem markanten Erscheinungsbild sind sie für viele ein schöner Anblick und gehören inzwischen fest zum Landschaftsbild entlang des Flusses. Doch hinter der idyllischen Kulisse verbirgt sich ein wachsendes Problem für Natur, Landwirtschaft und Hygiene.

Ursprünglich stammen Kanadagänse aus Nordamerika. In Europa haben sie sich aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit stark ausgebreitet. Typisch für die Art sind der schwarze Kopf und Hals mit dem weißen Kehlband, der braungraue Körper, die helle Brust sowie der schwarze Schnabel. Unter günstigen Bedingungen können die Tiere ein Alter von bis zu 25 Jahren erreichen. In Deutschland bleiben die Populationen meist ganzjährig standorttreu – auch in Binau und entlang des Neckars.

Ein entscheidender Grund für ihre rasante Vermehrung ist das Fehlen natürlicher Feinde. Dadurch wachsen die Bestände ungebremst, was zunehmend negative Auswirkungen hat. Kanadagänse verdrängen einheimische Entenarten und greifen massiv in bestehende Ökosysteme ein. Auch hygienisch stellen sie ein Risiko dar: Ihre Exkremente enthalten zahlreiche Bakterien und Parasiten. Besonders problematisch wird dies, wenn verschmutztes Gras als Futtermittel für andere Tiere genutzt wird.

Vor allem Landwirte spüren die Folgen der starken Vermehrung. Rainer Ludwig, Landwirt im Nebenerwerb in Binau, berichtet von erheblichen Schäden auf den Feldern.  Die Gänse fressen Raps- und Weizenpflanzen ab. Bei weichem, nassem Boden ziehen die großen Tiere dabei oft die gesamte Pflanze aus dem Boden und zerstören sie dadurch vollständig. Der wirtschaftliche Schaden kann beträchtlich sein. 

Zwar wäre die Bejagung der Kanadagänse grundsätzlich erlaubt, doch laut Ludwig gestaltet sich diese in der Praxis als schwierig. Die Tiere sind wachsam, intelligent und weichen Störungen schnell aus. Ähnliche Probleme werden auch aus Heidelberg gemeldet, wo sich entlang des Neckarufers ebenfalls große Bestände angesiedelt haben.

So stehen die Kanadagänse sinnbildlich für ein zunehmendes Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und menschlicher Nutzung von Erholungsräumen. Was für Spaziergänger ein schöner Anblick ist, wird für Landwirte und Umwelt immer mehr zur Herausforderung. Die Frage, wie mit der wachsenden Population künftig umzugehen ist, bleibt offen – und gewinnt entlang des Neckars zunehmend an Dringlichkeit.

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