Am Nachmittag des ersten Advents war es so weit: Schollbrunn hat jetzt einen Dorfladen. Genannt ´Scholli’s Dorfladen´ , der sich in einer Pre-Opening-Aktion präsentierte. Die regulären Öffnungszeiten starten ab dem 10. Januar 2026. Zahlreiche Gäste waren in das Dorfgemeinschaftshaus Schollbrunn gekommen – so viele, dass sich die Besucherinnen und Besucher bis hinaus in den Gang drängten. Als die Tür geöffnet wurde und die Menge einströmte, leuchteten die Augen der Schülerinnen und Schüler. Die große Resonanz auf ihre Einladung erfüllte sie sichtbar mit Stolz.
Ein Projekt aus dem Unterricht – und mitten ins echte Leben
Der Dorfladen entstand im Rahmen des Projektfachs 17+Wir der Realschule Eberbach. Verantwortlich für die Umsetzung waren die Projektlehrkräfte Christina Frischholz und Martin Kohler. Zu Beginn des Schuljahres im September 2024 beschäftigte sich die Klasse mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) und überlegte, wie sie ihre eigene Umgebung positiv beeinflussen könnten. Unterstützt wurde die Schule durch eine Bildungspartnerschaft mit der GELITA AG, deren Auszubildende sich in die Schülerprojekte einbrachten. Insgesamt entstanden acht unterschiedliche Projekte – eines davon: der Dorfladen. Die Idee dazu stammt von Jannis Henrich, der in Schollbrunn wohnt und den Mangel an Einkaufsmöglichkeiten im Ort erkannt hatte. Aus dem SDG „Innovation und Infrastruktur“ heraus formte sich so der Plan, einen Dorfladen aufzubauen.
Von der Idee zur Umsetzung
Zu Beginn standen grundlegende Fragen im Fokus:
Was wird benötigt? Wie gehen wir vor? Wie werben wir für das Projekt – bei Bürgermeister, Gemeinderat und Firmen?
Die Schülerinnen und Schülerinnen gründeten eine Schülerfirma in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, ohne die das Ganze nicht funktionieren würde. Zuständigkeitsbereiche und Verantwortlichkeiten wurden aufgeteilt: den Vorstandsvorsitz / die Geschäftsführung übernahm Jannis Henrich, die Personalleitung obliegt Mikkeline Schäfer, den Marketingbereich führt Marie Schmidt, die Produktleitung unterliegt Niklas Hauth und für die Finanzen ist Elay Diesner zuständig. Auch ein Logo wurde entworfen. Vor allem Mikkeline Schäfer und Marie Schmidt zeigten sich hierbei sehr kreativ.
Jannis Henrich hielt in seiner Funktion bei der Eröffnung souverän die Rede und war auch derjenige, der das Projekt professionell bei Bürgermeister Markus Haas sowie bei regionalen Unternehmen vorgestellt hatte.
Regionale Produkte im Sortiment
Das Angebot umfasst Waren des täglichen Bedarfs. Besonders wichtig war den Schülerinnen und Schülern, regionale Partner einzubeziehen.
Unter anderem beteiligen sich die Bäckerei Beisel aus Eberbach mit Backwaren und einem Brötchenservice, von der Seifert-Mühle in Allemühle kommen Mehl & Reis, Wurstwaren stammen von der Metzgerei Stahl in Schwarzach, sowie der Metzgerei Zimmermann in Waldkatzenbach, Julians Honigwelt, in Schollbrunn, sowie die Nudeln vom Geflügelhof Dambach aus Mudau. Finanzielle Unterstützung kam von mehreren Firmen, darunter: Malerbetrieb Achim Schork, Fenster Schwing, Klempnerei Uwe Haase, Christopher Heid Automobile, Schreinerei Gehrig & Tochter. Um alle gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, nahmen die Schüler an einer Hygieneschulung teil – eine Erfahrung, die anfänglich für etwas Nervosität sorgte. Aufgrund der vielen Vorgaben fragten sich die Schüler, was da wohl noch alles auf sie zukommen würde.
Lernen für das Leben
Die beiden Projektlehrkräfte Christina Frischholz und Martin Kohler betonen, dass der Dorfladen nicht nur ein Projekt, sondern ein praxisnahes Lernfeld ist.
„Die Jugendlichen erleben, wie man eine Geschäftsidee entwickelt, eine Existenz gründet und einen Laden real betreibt – nicht simuliert, sondern tatsächlich“, berichtet Martin Kohler. Als Wirtschaftslehrer fallen diese Themen in seinen Lehrbereich. Dabei wachsen sie an echten Herausforderungen erwähnt die Lehrkraft Christina Frischholz und hebt hervor: Teamarbeit, Durchhaltevermögen, Probleme lösen. Wertigkeit erkennen, Umgang mit anderen sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit spielen eine große Rolle. Auch für die Lehrkräfte war vieles neu. „Wir haben ebenso viel gelernt wie die Schüler“, berichtet Martin Kohler. Das gesamte Lernkonzept 17+Wir wurde von den Lehrkräften gemeinsam mit der GELITA AG erarbeitet und seit September 2024 Schritt für Schritt umgesetzt. Aus dem Schulprojekt wurde ein Gemeinschaftsprojekt. Der Aufbau des Dorfladens gelang nur, weil viele an die Idee glaubten. Die tatkräftige sowie finanzielle Unterstützung seitens der Eltern, der Gemeinde und der Firmen halfen bei der Umsetzung.
Ein Laden als sozialer Mittelpunkt
Während der Eröffnung versammelte sich eine Gruppe älterer Einwohnerinnen und Einwohner vor dem Eingang. Auf die Frage, ob sie den Laden künftig nutzen würden, kam ein überzeugtes „Natürlich!“Renate Kühner etwa freut sich besonders darüber, nun zu Fuß einkaufen zu können. Ihren Rollator nutzt sie nicht nur als Gehhilfe, sondern auch als Einkaufswagen. Besonders glücklich ist sie aber darüber, dass der Laden wieder einen Treffpunkt schafft – einen Ort zum Austauschen und „Tratschen“. Auch Kurt Deschner sieht sich schon bei gutem Wetter auf der Bank vor dem Laden sitzen und mit anderen ins Gespräch kommen.
Ein Blick in die Zukunft
Jannis Henrich und sein Team möchten den Dorfladen gern über die Schulzeit hinaus weiterführen. Der Gewinn soll nicht für die Schülerfirma selbst verwendet werden, sondern dem Ort zugutekommen – etwa für den Kindergarten oder für Reparaturen auf dem Spielplatzes, oder ähnlichen Projekten.
Fazit: Der Dorfladen beweist, wie viel junge Menschen bewegen können, wenn man ihnen Raum gibt, Verantwortung zu übernehmen.
Die regulären Öffnungszeiten des Dorfladens ab dem 10. Januar sind:
- Donnerstags von 15–17 Uhr
- Samstags von 8–12 Uhr
Ab dann wird auch ein Brötchenservice angeboten:
Bestellungen können donnerstags im Laden abgegeben und samstags dort dann abgeholt werden.
Scholli’s Dorfladen






















