Autorin: Stephanie Wirth
Immer wieder Weihnachten Wenn der Alltag ein wenig leiser wird, beginnt sie wieder – die zu Herzen gehende Zeit. Auch ohne große Worte verbinden wir damit mehr als nur ein Datum im Kalender. Advent, die Zeit der Erwartung. Weihnachten, die Ankunft. Wohl das schönste Fest im Jahr – und zugleich das emotionalste. Genau darin liegt auch die Krux. Selten, so scheint es, begegnet man so vielen negativ gestimmten Menschen wie in jener Zeit, die doch auf das Fest der Liebe zusteuert. Das passt nicht. Oder vielleicht doch? Und wenn ja – warum? Wenn ich an Weihnachten denke, dann gerne an das Gefühl zurück, das ich als Kind damit verband: Lichterglanz, Gemütlichkeit, Wärme. Zeit für Worte von Mensch zu Mensch, für Begegnungen auf einer emotionalen Ebene, die im restlichen Jahr oft zu kurz kommt. Wertschätzung. Weihnachten. Das bedeutet keineswegs, dass in der Kindheit alles rund oder gar ideal gewesen sein muss. Und doch nähern sich die Gedanken, die uns in dieser Zeit erreichen, nicht selten einer Linie, an der das „Wie-es-hätte-sein-können“ entlangläuft. An das, was möglich wäre, würden wir uns öfter überwinden, das Gegenüber bewusster wahrzunehmen. Seinen Wert zu erkennen. Den des Individuums. Den der Zeit, in der wir leben. Den der Vorzüge, die wir genießen dürfen. Keine Notwendigkeit, ständig auszuleuchten, was fehlt oder nicht optimal ist. Was ist es, das uns da in uns selbst anrührt? Das Bewusstsein? Das Unterbewusstsein? Oder die Bewusstwerdung des Unterbewussten? Ach – so kompliziert wollen wir es dann auch wieder nicht machen. Früher ging das doch ganz einfach. Ja, früher … Spartanisch dekorierte Zimmer tauchen im inneren Gedankenkino auf. Alles blitzsauber, gut riechend, nach irgendeinem Putzmittel. Nur ein Hauch, gerade eben wahrnehmbar. Darunter ein wenig Plätzchenduft, etwas Tanne. Ein paar Nordmannzweige schmücken die Bodenvase in der Diele. Auf dem Tisch im Wohnzimmer steht eine Glasschale mit einer Handvoll Nüsse, obenauf – scheinbar zufällig platziert – eine Nusszange. Auf dem Küchentisch ein ähnliches Bild: Apfelsinen und Äpfel auf einem Teller. Im Hintergrund knackt leise die Heizung. Sie scheint das einzige Geräusch zu sein. Im Vorübergehen streift mein Blick das prall gefüllte Bücherregal im Wohnzimmer. Zeit für Geschichten, schießt es mir durch den Kopf. Sie fügten sich einst wie selbstverständlich ins Wochengeschehen ein – dem Besonderen vorbehalten, dem Wertschätzenden, der freien Zeit. Fern von Pflichten: von schulischem Lernen, vom Arbeitsplatz des Vaters, von der Hausarbeit der Mutter. Abends saßen wir, mehr oder weniger vereint, irgendwo im Haus und hatten es uns mit einer Lektüre gemütlich gemacht. Zeit zum Runterkommen. Zeit zum Entspannen. Zeit für die Seele. Wertvolle Zeit. Vielleicht gerade deshalb, weil sie gefüllt war – oder weil ihr Sinngehalt den Unterschied machte. Plätzchen backen. Welch wundervoller Brauch. Nur eine Handvoll Rezepte, die sich Jahr für Jahr wiederholten. Selten kam ein neues hinzu. Man freute sich auf die alten, die erprobten – jene, die wie Garanten dafür waren, dass der Advent nahte und damit Weihnachten, das Hochfest des Jahres. War es die Christlichkeit, die den Unterschied machte? Vielleicht auch. In manchen Familien sicher zu einem großen Teil. Doch es scheint, als läge hier nicht die Hauptursache. Das „Fest der Liebe“ – dieser Begriff herrschte vor, unabhängig davon, ob man sonntags in die Kirche ging oder nicht. Spaziergänge im Winter. Das Leben steht nicht still. Und der Fortschritt auch nicht. Hat die Moderne den Zauber geraubt? Diese Frage schlicht mit „Ja“ zu beantworten, kommt einem zu früh gefallenen Vorhang gleich. Denn jeder darf – und muss – hier seine eigene Antwort finden. Die persönliche Vergangenheit, individuelle Wunschlisten, das, was man wertschätzt oder dem man weniger Bedeutung beimisst, so Vieles fließt in diese Antwort ein. „Friede den Menschen auf Erden und allen Menschen ein Wohlgefallen.“ Hier nähern wir uns wohl dem Sinn der Weihnacht. Kein Gefallen um jeden Preis. Keine Voraussetzung für völlige Übereinstimmung in allen Lebensanschauungen. Aber – und das macht es dann aus – der Wunsch nach Frieden in uns selbst und unter uns allen. Ein frommer Wunsch? Ja. Dazu ein ehrlicher, von Herzen kommender. Einer, der sich immer wieder erneuert. Und wenn das kein Grund zum Feiern ist… In diesem Sinne: Ihnen allen und Ihren Familien und Freunden GESEGNETE FESTTAGE!












Ein Kommentar
Liebe Stephanie Wirth,
ja, früher, da ging das doch ganz einfach……..
Ein wunderschöner Artikel, mit dem wir uns auch im Hunrück identifizieren können und der zu Herzen geht.
Ihnen und Ihrer Familie wünschen wir gesegnete Weihnachten.
Karin & Gerd